Welche Folgen hat es, wenn die Vorschriften missachtet werden?_
Wenn der Unternehmer seine Erste-Hilfe-Pflichten nicht oder nicht ausreichend erfüllt, können daraus unangenehme rechtliche Konsequenzen entstehen. Ein Verwarnungsgeld oder ein Geldbuße sind da noch nicht die geringsten Folgen. Sollte ein Beschäftigter aufgrund mangelhafter Organisation oder fehlende Erste-Hilfe-Einrichtungen einen Gesundheitsschaden erleiden oder sogar zu Tode kommen, hätte dies auch strafrechtliche Konsequenzen bis hin zu einer Anklage wegen Körperverletzung bsw. fahrlässiger Tötung.

 

 
   
 
1. Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen
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  • Bei Verbrühung: Kleider sofort entfernen
  • Bei Verbrennung: Kleider nur entfernen, wenn sie nicht haften
    Betroffene Körperstelle unter fließendem kalten Wasser 15-20 Minuten kühlen.
  • Kleine Verbrennungen oder Verbrühungen ( ohne Blasenbildung ) an der Luft heilen lassen. Nicht mit Pflaster oder Verband abdecken.

 
  2. Verätzungen am Auge _
Verätzungen am Auge durch Säuren oder Laugen können schwere Verletzungen hervorrufen und verlangen sofortiges Handeln:
Das zusammengekniffene Auge vorsichtig mit zwei Fingern öffnen und es mindestens zehn Minuten mit viel klarem Wasser ausspülen.
 
 
  • Augenverband anlegen.
  • Sofort einen Augenarzt aufsuchen oder den Rettungsdienst verständigen.

 
  3. Bei direkter Verletzung eines oder beider Augen durch einen festsitzenden oder nicht sichtbaren Fremdkörper (z.B. Sand, Glas, Metall) sollten Sie Folgendes tun_  
 
  • Den Betroffenen vom Reiben der Augen abhalten!
  • Einen Augenverband anlegen: Auch bei einseitiger Augenverletzung stets beide Augen leicht und ohne Druck mit einer sterilen Kompresse abdecken und sie mit einem Dreiecktuch fixieren.
  • Die Person beruhigen.
  • Den Rettungsdienst verständigen.

 
  4. Vergiftungen _
Beruhigen Sie die Person und bewahren Sie selbst Ruhe.
 
 
  • Ist die Person ansprechbar, öffnen Sie seinen Mund und versuchen Sie, eventuell vorhandene Reste des Eingenommenen mit einem Finger auszuwischen.
  • Erbricht sich der Betroffene helfen Sie ihm, indem Sie es stützen und ihm beruhigend über den Rücken streichen.
  • Geben Sie der Person auf keinen Fall Milch zu trinken! Denn Milch kann bewirken, dass das Gift schneller ins Blut aufgenommen wird.
  • Wichtig ist die Frage, was und wie viel die Person zu sich genommen hat. Bewahren Sie alle Reste des Eingenommenen auf (z.B. Tabletten, Pflanzenteile, Pilze oder Chemikalienverpackungen). Nehmen Sie diese mit zum Arzt oder ins Krankenhaus, damit der Arzt feststellen kann, um welche Vergiftung es sich handelt.
  • Provozieren Sie auf keinen Fall das Erbrechen bei Säuglingen und Kleinkindern, nach einem Krampfanfall, bei Störung des Bewusstseins oder der Atmung und nach dem Einnehmen von ätzenden Substanzen wie Säuren, Laugen, Haushaltsreinigern.
  • Zeigt die Person Anzeichen für eine Vergiftung, tätigen Sie den Notruf.

 
  5. Erste-Hilfe bei Insektenstichen _  
 
  • Bei einem Bienenstich bleibt der Stachel in der Haut. Entfernen Sie ihn vorsichtig, am besten mit einer Pinzette, ohne den anhängenden Giftsack zu berühren.
  • Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion sofort den Notarzt verständigen
  • Kühlen mit kalten Umschlägen. Der Schmerz lässt nach und die Schwellung geht schneller zurück.

 
  6. Erste Hilfe bei Prellungen oder Zerrungen _
Prellungen und Zerrungen lassen sich durch Entlastung, Hochlagerung und insbesondere durch Kühlung behandeln. Kälte lindert die Schmerzen, lässt die Schwellung abklingen und führt so zu einem schnelleren Heilungsverlauf. Auch Sportsalben beschleunigen die Heilung.

 
  7. Erste Hilfe Wundversorgung _
Bei nicht oder nur gering verschmutzten oberflächliche Schürfwunden:
 
 
  • Möglichst nicht berühren.
  • An der Luft trocknen lassen.
  • Blut nicht abwischen, kleinere Blutungen reinigen die Wunde.
  • Pflaster sind nicht notwendig, jedoch von Kindern häufig erwünscht. Wählen Sie tagsüber ein luftdurchlässiges und über die Wundränder hinausgehendes Pflaster.
  • Besser als Pflaster ist ein luftdurchlässiger desinfizierender Sprühverband.

 
  Bei verschmutzten oberflächlichen Schürfwunden:  
 
  • Wunde unter fließendem kaltem Wasser vorsichtig auswaschen.
  • Größere Schmutzpartikel (z.B. kleine Steinchen, Splitter) mit einer desinfizierten oder sterilen Pinzette (z.B. durch Ausglühen in einer Flamme oder Abwischen mit Desinfektionsmittel) entfernen.
  • Wunde mit Desinfektionsmittel (beachten: nichts Schmerzhaftes für Kinder!) abtupfen.
  • An der Luft trocknen lassen oder auf Wunsch mit einem Pflaster oder Verband abdecken.
  • Einen Arzt aufsuchen um sicherzustellen dass keine Fremdkörper vergessen wurden und Tetanusschutz ausreichend besteht.

 
  Blutende Schnitt- oder Platzwunden:  
 
  • Blutung durch Aufdrücken einer sterilen Kompresse oder eines sauberen Tuchs stoppen.
  • Betroffene Körperstelle erhöht lagern.
  • Wunden im Gesicht und größere oder blutende Wunden müssen innerhalb von sechs Stunden von einem Arzt begutachtet werden, da sie eventuell genäht, gestrippt oder geklammert werden müssen.
  • In den meisten Fällen ist die Blutung bald gestillt.
  • Bei fortbestehender Blutung muss ein Druckverband angelegt und der Rettungsdienst verständigt werden.

 
   
   
 
Nach den Unfallverhütungsvorschriften des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften und deren Durchführungsanweisungen sowie der Unfallverhütungsvorschriften der Länder und Gemeinen sind in Abhängigkeit von Betriebsart und –Größe Erste Hilfe Einrichtungen bereitzuhalten.



Verwaltungs- und Handelsbetriebe
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Baustellen und baustellenähnliche Einrichtungen
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Weil sich die Unfallrisiken einer Baustelle nicht mit denen eines Verwaltungsbetriebes vergleichen lassen, ist es sinnvoll, auch die Möglichkeiten der Erste-Hilfe-Versorgung einem erhöhten Berufsrisiko anzupassen. Erstel-hilfe-spezial ist ganz auf die individuellen Berufsrisiken ausgerichtet und orientiert sich an den differenzierten Anforderungen von Industrie, Handel, Verwaltung und Dienstleistungsbetrieben.
Grundlage der Serie Erstel-hilfe-spezial ist jeweils ein mobiler Erste-Hilfe-Koffer, einschl. Wandhalterung, Basisinhalt DIN 13 157, weiterführende Spezial-Inhalte ergeben sich aus den unterschiedlichen Anforderungen. Dazu können, je nach Unfallgefährdung und Erfordernis, z.B. Augen-Sofortspülung, aluderm®, Beatmungsmaske, aluderm®-aluplast, Kühlspray, Kältekissen, Desinfektion, Replantatbeutel, Spezialverbände, Instrumente usw. gehören.


Erste Hilfe in Schulen _
(Auszug aus der GUV-SI 8065)
Mindestens ein Verbandkasten nach DIN 13 157 Typ C muss an einer zentralen,
allen Hilfe Leistenden zugänglichen Stelle im Schulgebäude (z.B. Sanitätsraum, Schulsekretariat) bereitgehalten und je nach Verbrauch ergänzt werden. ...
Medikamente und Salben gehören nicht in Verbandkästen.
Weitere Verbandkästen müssen, je nach Größe der Schule, vor allem in Bereichen mit erhöhter Gefährdung der Schülerinnen und Schüler (z.B. Sporthallen, naturwissenschaftliche Unterrichtsräume, Werkräume, Lehrküchen, Werkstätten) vorhanden sein. In Sporthallen und auf Sportplätzen sollten zusätzlich Kältepackungen, Sportsalben/-gel zur Behandlung stumpfer Verletzungen (z.B. Prellungen, Zerrungen) vorhanden sein. Erste-Hilfe-Material muss bei Wanderungen, Exkursionen, Studienfahrten, Wintersportveranstaltungen, Sportveranstaltungen außerhalb der Sporthalle usw. mitgenommen werden. In Räumen oder Einrichtungen der Schule, in denen Schülerinnen und Schüler besonderen Gefährdungen ausgesetzt sind (z.B. naturwissenschaftliche Unterrichtsräume, Werkstätten, Schwimmbäder) müssen zusätzlich zu dem im vorhergehenden Abschnitt genannten Erste-Hilfe-Material entsprechende Rettungsgeräte (z.B. Löschdecken, Handbrausen, Rettungsringe) vorhanden sein.